NORA&LEO

Nora absolviert Modedesign-Studium mit Auszeichnung

„Vier Jahre. Mehr als 6 000 Arbeitsstunden. Unzählige aufgetrennte Nähte. Doch jetzt ist es geschafft, und die Absolventen der Modeschule JAK haben allen Grund sich selbst, ihren Durchhaltewillen und ihre Entwürfe zu feiern. Wie immer steigt die große Abschlusssause bei einer aufwendig inszenierten Modenschau, diesmal im Mojo Club, einer Location, die auf der sündigen Meile mit Stilsicherheit und Geschichte punktet. […]

Nora Bernitt hat die Musikfrage komplett anders gelöst: Sie hat den Song für ihre Abschlusskollektion einfach selbst geschrieben. Wie so viele Designer hat die JAK-Absolventin auch ein Händchen für andere künstlerische Bereiche, sie singt schon seit einigen Jahren in einer Band und entwirft Kostüme für ein Musicalprojekt. Zum Modedesignstudium kam Nora Bernitt eher auf Umwegen. Aufgewachsen auf dem platten Land an der Ostsee studierte sie erst einmal Hals über Kopf Englisch und Religion auf Lehramt, merkte jedoch schnell, dass es das noch nicht gewesen sein konnte. „Ich bin dann in mich gegangen und habe überlegt, was ich eigentlich wirklich machen will.“ Da eine Freundin ihr vom Studium an der JAK vorschwärmte, fiel die Entscheidung für die Hamburger Modehochschule leicht. Die richtige Entscheidung, wenn man die 25-Jährige heute fragt: „Es war ein wundervolles Studium, ich konnte den Begriff Mode noch einmal neu für mich definieren: Dass das vielleicht gar nicht so viel mit Klatschmagazinen, der Fashionweek oder den neuesten Trends zu tun hat, sondern viel mehr mit mir selbst, mit dem Handwerk und damit, Leute zu kleiden und sie glücklich zu machen und zu stärken.“ Eine ganz pragmatische Haltung also zu einem Beruf, der in der öffentlichen Wahrnehmung am liebsten mit Jet-Set und Champagner in Zusammenhang gebracht wird.

Ellenbogen einfahren, bitte!
„Man muss sich nicht zu hundert Prozent mit der Modewelt identifizieren, die da draußen existiert“, findet Bernitt. „Ich bin normal und mainstream, und das sind auch meine Freunde – und die brauchen Kleidung.“ Ihr Ziel ist deshalb ein Job in der Modeindustrie, aber bitte einer mit einem harmonischen Miteinander und vielleicht sogar einem nachhaltigen Designansatz. Ellenbogen raus und Karriere auf Teufel komm raus ist nicht Bernitts Ding. Auch ein eigenes Label ist für sie erstmal keine Option: „Ich arbeite lieber an etwas Bestehendem, Schönen mit, als dass ich alleine das hunderttausendste Teil mache, dass dann keiner will.“ Auch bei ihrer Abschlusskollektion „Eva“ blitzt Bernitts bodenständige Lebenseinstellung durch: Zwar verarbeitete sie schimmernde Seide und kupferbeschichteten Crash zu fließenden, göttinnenhaften Gewändern, doch die Geschichte dahinter ist sehr konkret: „Eva ist für mich eine emanzipierte, erwachsene und selbstständige Frau, die frei ist und unabhängig von der Männerwelt. Für mich ist es kein Sündenfall, dass sie den Apfel genommen hat, sondern Mut zur Erkenntnis und zum Wissen. Genau das hat Frauen in der Geschichte weitergebracht – zu sagen: Ich will Abitur machen, oder ich will studieren, das ist genauso mein Recht wie das der Männer!“ Nora Bernitts Augen blitzen bei diesen Worten, und sie muss lachend zugeben: „Wenn man ein Semester daran arbeitet, wird man irgendwann selbst zu Eva.“ Der alte Spruch gilt: Nur, wer etwas mit Leidenschaft verfolgt, kann andere mitreißen.“

[Quelle: Artikel: umagazin, Ellen Stickel, 2013, Foto: Michael Sonnenberg, 2013]

Zum Artikel